Coming Soon: Volltext-Annotationen

Ein Relaunch der Datenbank wird Annotationen in Volltexten ermöglichen. Werkzeuge dafür befinden sich in aktiver Entwicklung... [more]

Publikationen

2013 im diaphanes-Verlag erschienen ist der Band Archiv des Beispiels. Vorarbeiten und Überlegungen.

Umschlagbild

Tagungen

Tangibilität. Handgreifliche Beispiele ästhetischen Wissens
12.-14. Juli 2017
Ruhr-Universität Bochum, FernUniversität in Hagen

Die Tagung fragt in einer Reihe von Vorträgen nach dem grundsätzlichen Verhältnis zwischen Tast- und Sehsinn und wie es sich in Beispielen aus dem ästhetischen Wissen seit der Aufklärung darstellt. Damit ist nicht nur die philosophische Disziplin im engeren Sinne gemeint, sondern jede Reflexion, die dieses Verhältnis durch Beispiele vermittelt. ... [more]

Archiv des Beispiels

Das Projekt

Das Archiv des Beispiels ist eine im Aufbau befindliche Datenbank zur Erfassung und Beschreibung der Beispiele und der Praxis des Beispielgebens in Wissensdiskursen der Moderne.

Wissenschaftliche Diskurse aller Disziplinen enthalten in der Regel Beispiele, die verschiedene Funktionen erfüllen und einen unterschiedlichen Status haben können.

Die Datenbank ist konzipiert, um

  • a) Beispiele samt ihrem näheren argumentativen Kontext (bzw. dem, wofür sie gegeben werden oder was an ihnen verhandelt wird) sowie ihrem textuellen Ort (siehe Registerkarte „Bibliographie“) zu erfassen, und
  • b) die Art der Beispiele sowie den Umgang mit ihnen nach verschiedenen Parametern zu klassieren und zu beschreiben (siehe Registerkarte „Klassifikation“).

Die Datenbank ermöglicht damit, sowohl die in verschiedenen Wissensdiskursen – z.B. im Diskurs der philosophischen Ästhetik – gegebenen Beispiele zu dokumentieren, als auch ihr Funktionieren, ihre Struktur, ihren Charakter zu analysieren. Dabei eröffnen insbesondere

  • c) die Suchfunktionen (siehe Registerkarte „Suche“) eine diskursanalytische Perspektive im Sinne Foucaults. Die Suche ermöglicht, Beispiele nach Kriterien wie Häufigkeit, Verteilung, Gewichtung und Vernetzung zu analysieren: An welchen Stellen kommen Beispiele zum Einsatz (welches ist z.B. das erste Beispiel eines Texts), werden sie (von früheren Stellen in einem einzelnen Text oder auch aus einem anderen Text) wiederaufgenommen, wie und in welche Beziehung werden sie zueinander gesetzt, treten sie in Serien auf etc.? Mit der Suche lassen sich darüber hinaus verschiedene dia- und synchrone Schnitte erstellen. Wie wandern Beispiele zwischen Wissensbereichen hin und her? Wie sind sie über verschiedene Bereiche des Diskurses gestreut? Gibt es Häufungen? Gibt es und wie vollziehen sich Kanonisierungsvorgänge? Verschwinden bestimmte Beispiele wieder? Wie groß ist überhaupt das Beispiel-Inventar? Die Suchfunktionen der Datenbank sind auf solche Fragen zugeschnitten.

Die Datenbank macht grundsätzlich keine Beschränkung hinsichtlich der Auswahl der Beispiele. Sie dürfen aus allen Wissensgebieten von der Chemie bis zur Literaturkritik stammen. Schwerpunkte der derzeitigen Aktivität sind Das Beispiel in der Ästhetik zwischen 1750 und 1850, Heideggers Beispiele sowie das Projekt Handgreifliche Beispiele/Antastbare Visualität.

Es stehen nicht nur die Suchfunktionen offen, sondern jeder ist auch eingeladen, Beispiele in die Datenbank einzugeben. Dazu ist es nötig, einen Account anzulegen, für den lediglich ein nom de guerre und ein beliebiges Passwort angegeben werden müssen.

Für das Archiv des Beispiels und die damit operierenden Unterprojekte ist folgende Beobachtung leitend: Die Wissenschaften, die im 18. Jahrhundert immer entschiedener von den Geltungsgrößen Tradition und Autorität Abschied nehmen, und auf Empirie, Innovation und Aktualität umstellen, entwickeln eine neue Theorie und Praxis des Beispielgebens. Die Wissenschaften des Mittelalters hatten in der Tradition des Exempels und des Exemplarischen neben biblischen Erzählungen ein eindrucksvolles Repertoire an Zitaten, kanonisierten Legenden, Lebensgeschichten, Fabeln und Anekdoten erstellt, das Herrschern, Predigern, Juristen und Autoren zu Gebote stand. In diesen Exempeln, Topoi, Kommentaren und Erzählungen, die allen Gebildeten vertraut waren, sah sich das Wissen in einer Art zeitloser Dauer verbürgt. So wie die Grammatiker, Logiker und Rhetoriker die stets gleichen Beispiele anführten, pflegte auch die Exempelliteratur einen beschränkten, aber mit Autorität ausgestatteten Schatz an Episoden und Personen (etwa kanonisierte Heilige oder auch Helden der römischen Geschichte). In dem Maße aber, wie sich das Wissen in der Moderne unter das Gesetz der Erfahrung, des Experiments, der Innovation, der Evidenz, der neuen Theorien stellt, sieht es sich auch dazu aufgerufen, neue Beispiele zu geben, ja neue Beispiele zu erfinden. Das Archiv des Beispiels ist konzipiert, um diesen neuen Gebrauch von Beispielen in den Wissensdiskursen der Moderne umfassend erforschen zu können.

Die Datenbank ist am Institut für Neuere deutsche Literatur- und Medienwissenschaft an der FernUniversität in Hagen, am Lehrgebiet Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Medienästhetik von Prof. Dr. Michael Niehaus beheimatet. Von 2012 bis 2014 wurde sie am Institut für deutsche Sprache und Literatur an der Technischen Universität Dortmund, am Lehrstuhl von Prof. Dr. Michael Niehaus gehosted. Von 2009 bis 2011 war die Datenbank am Germanistischen Institut der Ruhr-Universität Bochum beheimatet. Ihr Aufbau wurde im Rahmen des Rektoratsprogramms zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses unterstützt.